Peter Disler

Mittlererweg 3
4852 Rothrist
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SBB-Zeitung 4/99

Mit freundlicher Genehmigung des Autors Gerhard Kapphahn

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Er kam, fuhr und siegte...

Nicht PS und Hubraum, sondern Kilowattstunden und Reichweite lassen Peter Dislers Herz höher schlagen. Der Visiteur baut Elektrofahrzeuge neu und um - mit Erfolg.

Er kam, fuhr und siegte. Vor dem Rennen noch belächelt, liess er der Konkurrenz keine Chance. Auch für ihn selber überraschend fuhr er am 24-Stunden-Rennen für Elektromobile vom vergangenen August im Berner Oberland mit seinem «Mini-el» den ersten Rang heraus. Die Strecke führte von Frutigen aus via Grimselpass, über Brig, Goppenstein und Kandersteg zurück nach Frutigen. Problemlos absolvierte der in Rothrist wohnhafte Peter Disler die insgesamt 532 Kilometer lange Fahrstrecke in der vorgeschriebenen Zeit.

Der Zufall führte Regie

Wie kommt der Visiteur zu solch unerwarteten Lorbeeren? Während seiner SBB-Berufsausbildung in Basel besuchte Peter Disler zufällig die Tour de Sol, die bekannteste Veranstaltung der Schweizer Elektrofahrzeugszene. «Dabei hat es mich gepackt», erklärt der Vater zweier Kinder. Gepackt von dieser Fortbewegungsart, einer Mischung aus lautloser Eleganz und zukunftsweisender Mobilität. Schon bald wollte er ein eigenes Fahrzeug bauen. An verschiedenen Fachveranstaltungen konnte er erste Kontakte und Erfahrungen sammeln. Der Beitritt zum Elektromobilclub der Schweiz (ECS) sowie das fortwährende Entwickeln eigener Ideen und Konstruktionen vertieften nach und nach seine Fachkenntnisse.
Wer sich in der Welt des Elektrofahrzeugbaus behaupten will, benötigt ein ausgeprägtes technisches Verständnis und entsprechendes Gespür. Ein Gelegenheitsbastler hätte wenig Aussicht auf Erfolg. «Zudem können die finanziellen Aufwendungen nicht ausser acht gelassen werden», ergänzt Disler. Die Suche nach preiswerten, aber qualitativ hochstehenden Bauteilen und Komponenten ist ein Dauerthema. Im Jahr 1992 kam der erste Erfolg: Peter Disler modifizierte ein Elektrofahrzeug der Marke Mini-el und erreichte durch die Verbesserung von Motor, Antrieb, Steuerelektronik und Batterien eine Leistungssteigerung von satten 115 Prozent! Grund genug, als Aussenseiter dieses Mobil anlässlich einer Veranstaltung wie dem 24-Stunden-Rennen zu testen.

Sensation in der Garage

1997 konnte Disler ein gebrauchtes, nicht verkehrstüchtiges dreirädriges Elektromobil der Marke «Horlacher GL88» erwerben. Seine Fachkenntnisse und Erfahrungen sowie die langjährige Unterstützung durch seine Arbeitskollegen der Hauptwerkstätte Olten kamen Peter Disler nun vollumfänglich zugute. Nach Um- und Neubau des Fahrzeuginnenlebens kam ein Elektroauto zustande, das seinesgleichen sucht. Es ist absolut alltagstauglich, über 120 km/h schnell und somit autobahntauglich. Mit einem Energieverbrauch von drei Kilowattstunde pro 100 Kilometer ist es zudem äusserst wirtschaftlich zu betreiben. Die Beschleunigungswerte lassen manchen konventionellen Personenwagen alt dastehen: fünf Sekunden auf 80 km/h!
Das Umfeld für den alternativen Fahrzeugbau ist freilich nach wie vor schwierig: «Entwicklung und Bau eines Elektrofahrzeugs ist die eine, die Akzeptanz bei möglichen Herstellern und Interessenten die andere Sache», erklärt der Oltener Visiteur. Für ihn gibt es heute keine technischen Gründe mehr, den Bau von Elektrofahrzeugen weiterhin stiefmütterlich zu behandeln. Das Problem liege zur Zeit ausschliesslich bei den nach wie vor zu hohen Fahrzeug-, Produktions- und Ersatzteilkosten. Zudem sind auch politische und wirtschaftliche Umstände im Spiel. So verdient der Staat bei den Abgaben für fossile Brennstoffe kräftig mit, merkt Disler an.

Ohne Querdenker gehts nicht

Trotzdem ist Peter Disler überzeugt: Die Elektrofahrzeuge werden sich weiter entwickeln und verbreiten. Die Werbung nimmt zu, verschiedenste Interessenorganisationen setzen sich für eine elektromobile und sauberere Zukunft auf unseren Strassen ein. Beinahe tagtäglich fährt Peter Disler mit dem Elektromobil ohne Lärm und Gestank zur Arbeit und beweist die Tauglichkeit seines Gefährts. Noch braucht es Idealisten und «Querdenker» wie den SBB-Mann Peter Disler - sie werden dereinst dem Durchbruch den Boden bereitet haben.
 

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Letzte Aktualisierung: 28. April 1999
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